«Die Ideen stammen von unseren Kundinnen und Kunden»

Wie aus Ideen neue Services entstehen

 

 

Die Digitalisierung schafft mit Homeoffice oder Online Shopping zunehmend neue Lebensgewohnheiten. Für die Post ergeben sich daraus Möglichkeiten, mit innovativen Dienstleistungen die Geschäfts- und die Privatkunden näher zusammenzubringen. Wir haben mit Christoph Gfeller, Projektleiter Geschäftsentwicklung bei der Post, über neue Ideen und deren Realisierung gesprochen.

 

 

Die Post möchte Geschäfts- und Privatkunden enger vernetzen. Wo setzt sie da an?

Wir sehen viel Potential im Bereich der Letzten Meile – also beim Bringen und Holen bei unseren Kundinnen und Kunden zu Hause. Die Post als Zustellerin kennt man. Neu ist, dass sie bei ihren Kunden auch Waren abholt. Da eröffnet sich ein weites Feld an Möglichkeiten für Privat- wie auch für Geschäftskunden.

 


Woher kommen die Ideen für solche Möglichkeiten?

Sie stammen im Ursprung nicht von uns, sondern von Kundinnen und Kunden selbst. Geschäftskunden suchen nach Lösungen, die ihnen einen Marktvorteil verschaffen. Privatpersonen hingegen wünschen sich Services, die ihnen das Leben erleichtern. Die Post nimmt hier eine Vermittlerrolle ein, nimmt die Ideen auf und entwickelt daraus neue Dienstleistungen. 



Wie frei sind Sie bei der Wahl von solchen Projekten?

Die Ideen für neue Projekte sind sehr vielfältig. Und wir bleiben offen für die verschiedensten Ansätze. Natürlich konzentrieren wir uns vor allem auf die Bedürfnisse unserer Kundinnen und Kunden sowie auf unsere Kernleistung, die Logistik. Entscheidend ist auch die Zusammenarbeit mit den Geschäftskunden. Sie müssen bereit sein, innovative Lösungen einzugehen und etwas dafür zu investieren.

 


Und wo liegen die Grenzen des Machbaren?

Technisch ist vieles machbar. Die Kriterien, die über die Realisierung entscheiden, sind oft vor allem ökonomischer Art. Aber auch ganz praktische Aspekte wie Zustellzeiten oder die Art von Waren, die gebracht oder geholt werden soll, spielen eine Rolle bei der Machbarkeit eines Projektes. 

 


Wer entscheidet, welche Projekte umgesetzt werden? 

Wir arbeiten an den Themen, den Ideen und erarbeiten jeweils eine Präsentation der Projekte. Diese wird einem internen Gremium aus der Geschäftsleitung vorgelegt. An einem solchen Pitch wird dann über die Art und Weise der Weiterführung entschieden. Meist erhalten wir dann die Freigabe für einen ersten Pilotbetrieb.

 


Und nach welchen Kriterien wird dabei entschieden?

Wie erwähnt ist es zum einen der ökonomische Aspekt. Auch die Post muss gewinnbringend arbeiten. Ebenfalls entscheidend ist das langfristige Potential der Idee. Und dass der Service einen Beitrag zum nachhaltigen Umgang mit Waren, also beispielsweise zur Kreislaufwirtschaft, leistet. 

 


Wenn so eine Idee mal da ist, wie geht es dann weiter?

Dann gehen wir, immer mit messbaren Zielgrössen, in den Pilotbetrieb. Dabei prüfen und analysieren wir in einem begrenzten Rahmen, wie das Angebot in der Öffentlichkeit angenommen wird. Wir entwickeln es weiter, analysieren erneut und optimieren laufend anhand der Kundenbedüfnisse. Sobald eine entsprechende Nachfrage besteht, dehnen wir das Pilotgebiet aus. 


Wie kommen Sie zu den Inputs, die Ihnen bei der Optimierung helfen?

Wir stehen in engem Kontakt mit unseren Kundinnen und Kunden. In persönlichen Gesprächen oder auch über Social Media erfahren wir, wie das Angebot angenommen wird. Und in Rücksprache mit den Geschäftskunden fliessen die Inputs laufend ein und wir entwickeln die Dienstleistung weiter.



Wie lange dauert so ein Pilotbetrieb?

Das ist unterschiedlich. So eine Phase kann gut drei Monate oder länger dauern.

 


Kann man beziffern, wie viele Ideen verworfen, pilotiert und definitiv umgesetzt werden?

Man kann sagen, dass wir bestimmt 50% der Projekte aus Gründen der Machbarkeit, der Kosten oder rechtlicher Aspekte gar nicht erst pilotieren.Von den pilotierten Projekten werden dann etwas weniger als die Hälfte erfolgreich umgesetzt. So wie zum Beispiel die Sammlung der Alu-Kaffeekapseln zu Hause bei unseren Kunden.



Die Alu-Kapseln sind ja ein erfolgreiches Projekt. Können Sie weitere nennen?

Ja, sicher. Da sind zum Beispiel ‚Take me back’ und ‚Home Drop’. 

Hier führen wir alte Router zu Swisscom und UPC zurück, wo sie nach Möglichkeit für einen weiteren Einsatz wieder aufgefrischt werden. Bei allen diesen Services spielt die gelbe Lasche eine wichtige Rolle: Sie signalisiert dem Pöstler oder der Pöstlerin, dass Waren zur Abholung im Briefkasten sind und ist inzwischen gut etabliert. Wir nutzen sie auch bei unserem Projekt mit SENS eRecycling.

 


Worum geht es dabei?

SENS eRecycling ist eine Stiftung, die das Recycling von Elektro- und Elektronikgeräten fördert. Vor einem Jahr haben wir in Zürich in einem ersten Pilotbetrieb die Domizilsammlung von elektronischen Kinderspielsachen durchgeführt. Der Erfolg war gross. Also haben wir beschlossen, anlässlich des internationalen E-Waste-Days das Angebot in Zürich und Bern mit je 50'000 Haushalten auszubauen. Und dieses Mal werden nicht nur Spielzeuge, sondern alle kleineren Elektroartikel zu Hause abgeholt und dem Recycling zugeführt. Auch hier steht die gelbe Lasche im Mittelpunkt: Die Kunden platzieren die Ware in einem Sack und lassen eine gelbe Lasche, welche am Sack befestigt ist, aus dem Briefkasten rausschauen. 

 


Welches war bisher Ihr Lieblingsprojekt?

Besonders am Herzen liegen mir Lösungen, die zusammen mit unseren Kunden entwickelt wurden und die der Gesellschaft nebst dem ökonomischen auch einen ökologischen Mehrwert bringen. Wichtig sind hier Themen rund um die Kreislaufwirtschaft. So steht die Frage im Mittelpunkt, wie wir das Leben unserer Kundinnen und Kunden direkt bei sich zu Hause vereinfachen und gleichzeitig etwas für die Umwelt und die Recyclingquote tun können. Hier bieten sich Sammelprojekte beispielsweise in den Bereichen PET, Alu oder Kunststoff an. Spannend finde ich zudem Lieferservices rund um Food. Hier haben wir während der Corona-Krise mit der Brot-Post den Nerv der Zeit voll getroffen. 1,5 Millionen Haushalte konnten ihr Lieblingsbrot von der lokalen Bäckerei direkt nach Hause liefern lassen. Diese Plattform möchten wir noch erfolgreicher machen.

 


Und wie sehen die nächsten Projekte aus?

Zurzeit testen wir mit landwirtschaftlichen Betrieben Lösungen analog der Brot-Post. Damit werden wir auch den regionalen Hofladen digital den Kunden zugänglich machen. Das Feedback von Kundinnen und Produzenten ist bisher sehr positiv. Wir bleiben dran. 

 


Christoph Gfeller beschreibt uns hier, wie bei der Post Pilotprojekte entstehen. Haben Sie als Dienstleister auch Projekt-Ideen für neue Services oder suchen Sie eine Logistikpartnerin? Dann freuen wir uns, wenn Sie das Kontaktformular ausfüllen!