«Nicht die Produktion, sondern die Auslieferung war unser Problem»

Wie Familie Rohner mit ihrem Online-Gemüseabonnement wachsen konnte



Carina und Heinz Rohner führen seit 2014 in der dritten Generation einen Bauernhof im St. Galler Rheintal. Zwei Jahre nach der Übernahme des Hofes starteten sie mit dem Verkauf ihrer regionalen Produkte über den eigenen Onlineshop. Wir sprachen mit den beiden über ihre «Gmüasbox» sowie über ihre Erfahrungen und Erfolge.




Wie wurden Sie Landwirt, Herr Rohner?

Heinz Rohner: Die Landwirtschaft wurde mir quasi in die Wiege gelegt und fesselte mich von Kindesbeinen an. Schon als kleiner Junge begleitete ich meinen Vater auf die Felder. Heute führe ich zusammen mit meiner Frau den Hof meiner Eltern. 



Was produzieren Sie auf Ihrem Hof?

Heinz Rohner: Unser Betrieb ist auf Gemüse spezialisiert. Wir bauen auf rund 25 Hektaren Brokkoli, Blumenkohl, Kohlrabi, diverse Salate, Karotten, Kartoffeln und vieles mehr an. Darunter befinden sich auch einige alte Gemüsesorten. Dazu kommt noch ein Teil Futteranbau für unsere Kühe, damit wir sie ganzjährig versorgen können. 



Wer sind Ihre Kundinnen und Kunden?

Heinz Rohner: Die meisten Produkte verkaufen wir an Kundinnen und Kunden, die unseren Hofladen besuchen, an umliegende Gastronomiebetriebe und an Detailhändler aus der Region. Einen kleinen Teil setzen wir über den Grosshandel ab.



Der Direktverkauf ist für Sie also sehr wichtig?

Heinz Rohner: Ja. Wir bauen unterschiedliche Sorten für kleine Abnehmer an. Sie schätzen die Vielfalt. Für den Grosshandel kultivieren wir nur zwei, drei Gemüsesorten in entsprechenden Mengen. 





Sie vertreiben Ihre Produkte auch online. Wie kam es dazu?

Carina Rohner: Unsere Kundinnen und Kunden im Hofladen erzählten mir immer wieder, dass sie gerne öfter zu uns einkaufen kämen. Es fehle ihnen aber die Zeit. Ich kenne das ja selbst. Beispielsweise komme ich kaum dazu, Kleider in der Stadt einzukaufen. Deshalb bestelle ich sie online und lasse sie mir nach Hause liefern.

Weshalb sollte das nicht auch mit Gemüse funktionieren? Mit meiner Schwester entwickelte ich ein Onlineangebot in Form einer Gemüse- und Früchtebox. Als wir bereit waren, präsentierten wir unsere «Gmüasbox» an der Frühlingsmesse in Altstätten (SG). Das Interesse war gross und wir erhielten gleich erste Bestellungen.



Also verlief von Beginn an alles wie geplant?

Carina Rohner: Nicht ganz. Wir hatten anfänglich mit ein paar wenigen Bestellungen gerechnet, die wir selbst ausliefern wollten. Doch wir wurden von einer unerwartet hohen Zahl an Bestellungen überrascht. Wir benötigten für die erste Auslieferung der «Gmüasboxen» einen ganzen Tag. Kurz: Wir hatten den logistischen Aufwand völlig unterschätzt.



Wie haben Sie diese Herausforderung gemeistert?

Heinz Rohner: Das Bepacken der «Gmüasboxen» war nicht unser Problem, sondern die Auslieferung.


Carina Rohner: Zum Glück hatte uns die Schweizerische Post bereits an der Frühlingsmesse darauf hingewiesen, dass sie eine Dienstleistung für die Auslieferung von regionalen Produkten anbietet. Nach der Erfahrung des ersten Ausliefertages kontaktierte ich die Post, um mehr über eine mögliche Zusammenarbeit zu erfahren.



Was hat Sie schlussendlich dazu bewogen, mit der Post zusammenzuarbeiten?

Carina Rohner: Die Postboten fahren praktisch täglich alle Haushalte an und kennen die Region sehr gut. Das ist ihre Kernkompetenz. Zudem hat mich die rasche Reaktionszeit der Post überzeugt: Bereits bei der nächsten Lieferung konnten wir einen Teil der Post übergeben. Die unkomplizierte Zusammenarbeit hat sich bis heute bewährt. 


Heinz Rohner: Die Post hat uns wirklich entlastet. Zudem konnten wir dank ihrer logistischen Unterstützung in kurzer Zeit neue Regionen erschliessen und damit auch wachsen. 



Was konnten Sie aus den ersten Erfahrungen lernen?

Carina Rohner: Wir mussten lernen, wie viel Zeit alles rund um die Boxen in Anspruch nimmt. Da ist einerseits die Büroarbeit, wie zum Beispiel die Rechnungsstellung und das Kundenmanagement, andererseits auch die ganze Kommunikation und das Marketing. Wir haben schnell gelernt, dass wir gerade bei den Rechnungen und der Planung den Aufwand dank Abonnements verringern konnten.

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Hat sich in dieser Zeit auch die Arbeit auf dem Hof verändert?

Heinz Rohner: Mit der Lancierung unserer Box haben wir bewusst unser Sortiment erweitert. Wir pflanzen heute viel mehr Sorten an, damit wir den Kundinnen und Kunden Abwechslung bieten können. Das hat zur Folge, dass wir die Felder neu gestalten (mehr Sorten, kleinere Flächen) und immer wieder mal etwas Neues ausprobieren. Gleichzeitig ist auch der Arbeitsalltag vielseitiger geworden. Das schätzen vor allem auch unsere Mitarbeitenden. 



Ihre «Gmüasbox» ist das ganze Jahr über erhältlich. Ist der Inhalt immer saisonal und aus der Region?

Heinz Rohner: Die Konsumentinnen und Konsumenten sind es sich inzwischen gewohnt, zu jeder Saison Früchte und Gemüse kaufen zu können. Wir mussten feststellen, dass es nicht ausreicht, wenn wir in der «Gmüasbox» nur unsere saisonalen Gemüsesorten anbieten. Da wir keine Gewächshäuser haben, könnten wir im Winter nur Gemüse wie Kohl anbieten. Darum kaufen wir zusätzlich Gemüse und Früchte aus der Region. Nur so können wir unsere Kundinnen und Kunden das ganze Jahr über beliefern.

Zum Schluss: Was treibt Sie an?

Heinz Rohner: Unsere Kundinnen und Kunden, die glücklich sind, wenn sie unser frisches Gemüse erhalten. Wir haben letzten Winter, um Weihnachten, einen Event bei uns auf dem Hof mit allen Abonnentinnen und Abonnenten veranstaltet. Es war sehr schön zu sehen, dass alle grosse Freude an unserem Angebot haben.


Danke für diese Einblicke und das spannende Gespräch.