«Wir wollen uns als Logistikspezialistin für E-Food etablieren»

Wie sich die Post den Herausforderungen der Lebensmittellogistik stellt

 


Alles, immer, überall. Inzwischen gehört es zu unserem Alltag, online Waren zu bestellen. Auch Nahrungsmittel. E-Food nennt sich dieses Segment der grossen Welt des Onlinehandels. Anders als beim Zalando-Päckli sieht sich die Logistik beim E-Food mit zusätzlichen Herausforderungen konfrontiert. Emilija Damjanovic, E-Food-Expertin bei der Schweizerischen Post, gibt einen Einblick rund um temperaturgeführte Transporte für Lebensmittel und nachhaltige Verpackungs- und Logistiklösungen.

 

Wir bestellen immer öfters Lebensmittel online. Während die Pizzabestellung beim Italiener nichts Aussergewöhnliches mehr ist, können wir uns mittlerweile auch ganze Wocheneinkäufe nach Hause liefern lassen. Ganz bequem von zuhause aus, mit wenigen Klicks. E-Food bezeichnet das Bestellen und den Vertrieb von Lebensmitteln über digitale Wege. Während diese Art der Lebensmittelbesorgung den Konsumenten ganz neue Möglichkeiten eröffnet, stellt sie Lieferanten und Zusteller vor neue Herausforderungen.

 

Frisch sollen sie sein, die Lebensmittel auf Knopfdruck. Und preiswert. Und schnell geliefert. Und ohne lästige Verpackung. Die Post kennt die Bedürfnisse ihrer Kundinnen und Kunden. Entsprechende Lösungen sind bereits vorhanden – aber noch nicht perfekt. Das weiss Emilija Damjanovic. Sie ist E-Food Markt- und Produktentwicklerin bei der Post und zuständig für die Entwicklung von Transportinnovationen, die die logistischen Herausforderungen von E-Food mit sich bringt.

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Eiskalt geliefert dank Kühlmitteln

 

Die grösste Krux beim Transport sind die hohen gesetzlichen Auflagen, insbesondere bei gekühlten oder gefrorenen Lebensmitteln. Dabei ist bereits die Art und Weise des Transports entscheidend. «Es gibt aktive und passive Transporte», erklärt Emilija Damjanovic. «Aktiv heisst, dass das komplette Fahrzeug gekühlt ist. Passiv wiederum bedeutet, dass lediglich die Verpackung temperiert wird». Die Post setzt auf den passiven Transport, da sie damit ans bestehende Logistiknetz anknüpfen kann und keine zusätzlichen Fahrzeuge einsetzen muss. Konkret bedeutet das, dass die Post Lebensmittel in gekühlten Boxen zustellt. Dies geschieht mit Kühlmitteln, die auf eine bestimmte Temperatur vorkonditioniert sind und zusammen mit den Lebensmitteln in die Boxen verpackt werden. «Eine Box hat unter Umständen mehrere Schichten solcher Kühlmittel. Es handelt sich dabei um flüssige, einfrierbare Kühlelemente, erklärt die E-Food-Spezialistin.

 

Besonders komplex ist der Transport in Boxen, wenn verschiedene Typen von Nahrungsmitteln in der gleichen Verpackung versendet werden müssen. Beispielsweise Tiefgefrorenes und Frisches: Beides muss von Gesetzes wegen unterschiedlich temperiert sein. Hier entwickelt und testet die Post verschiedene Lösungen.

 

Nebst der Temperatur gibt es weitere Faktoren wie Verpackungsstandards, die den Lebensmittel-Transport anspruchsvoll machen. «Die Kunden wollen beispielsweise keinen geknickten Lauch erhalten. Daher braucht es besonders hohe Boxen», erläutert Damjanovic. «Die verschiedenen Standardformate benötigen also Platz beim Transport.»

Umständliche, materialintensive Transporte haben zwei Nachteile: Einerseits sind sie verhältnismässig teuer, zumal der Warenwert im E-Food-Bereich oft tief ist. Andererseits sind Einweg-Kühlmittel nicht nachhaltig. Emilija Damjanovic ist sich dessen bewusst und arbeitet intensiv an innovativen Lösungen.

Nachhaltiges Essen, nachhaltige Verpackung

 

Die Markt- und Produktentwicklerin war 2019 für sechs Wochen im Silicon Valley, um sich dort von den E-Food-Innovationen inspirieren zu lassen. Zurück in der Schweiz möchte sie nun die Post zur Vorreiterin in diesem Bereich entwickeln. Eine zentrale Rolle nehmen dabei die Versender von E-Food-Produkten ein: Sie sind es, die letztendlich die bestellten Waren verschicken. Mit ihnen zusammen hat Emilija Damjanovic konkrete Bedürfnisse abgeklärt. «Wir wollen Bauern, Bäckereien, Käsereien und anderen Lebensmittelproduzenten unter die Arme greifen. Dazu möchten wir uns als Kompetenzzentrum etablieren und so unseren Geschäftskunden komplette Logistiklösungen für den Versand von Nahrungsmitteln anbieten», hält sie fest. «Alles aus einem Guss, als effiziente Branchenlösung.»

 

Zur angestrebten Branchenlösung gehören nebst der beratenden Funktion auch die Entwicklung von nachhaltigen Versandmöglichkeiten. «Es ist nicht unser Ziel, in die Verpackungsindustrie vorzudringen», meint Damjanovic, «wir versuchen aber, unsere Partner für nachhaltige Lösungen zu gewinnen.» Gemäss der Spezialistin muss eine nachhaltige Verpackung mehrere Eigenschaften aufweisen. Besteht sie aus Mehrweggebinde, kann sie wiederverwendet werden. Ist sie schachtelbar, benötigt sie weniger Platz als bloss stapelbare Verpackungen. Und: Im Idealfall lässt sie sich recyclen.

 

Doch letztendlich liegt E-Food ganz nahe am Kerngeschäft der Post. Nahrungsmittelhändler – vom kleinen Bauern bis zum Grossverteiler – müssen nicht ihr eigenes Vertriebsnetz aufbauen, sondern können auf das feingliedrige Netz der Post zurückgreifen. Das hat nicht nur ökonomische Vorteile, sondern ist auch nachhaltig. Darin sieht Emilija Damjanovic Handlungsbedarf und grosse Chancen: «Es sollte selbstverständlich sein, dass wir uns dem Thema E-Food annehmen. Denn auch hier dreht sich alles um den Grundauftrag der Post: das Holen und Bringen von Waren.»



Über Emilija Damjanovic


Emilija Damjanovic arbeitet seit 2008 bei der Schweizerischen Post und ist seit Dezember 2017 als E-Food Markt- und Produktentwicklerin tätig. In dieser Rolle konzipiert und realisiert sie für die Post Branchenlösungen im Bereich der Food-Logistik, überwacht Trends und Geschäftsmodelle im In- und Ausland und leitet diesbezügliche Opportunitäten ein. In ihrer Freizeit ist sie sportlich unterwegs, sei es mit dem Hund, auf dem Bike, beim Kraftsport oder Surfen, mit Beachvolley- oder Basketball.